Es ist ratsam, sich sowohl aufgrund der landschaftlichen Attraktionen als auch wegen der vielen Versuchungen, die auf den Gaumen warten, mehrere Tage Zeit für den Besuch im Valle Nervia zu nehmen. Von San Remo kommend fährt man nach Camporosso, wo die Abzweigung ins Valle Nervia entsprechend gekennzeichnet ist, und setzt die Fahrt nach Dolceacqua fort, das zwischen den Ufern zweier Sturzbäche entstanden ist.
Als ehemaliger Sitz der Grafschaft der Doria ist es für sein Schloss (aus dem 15. Jh.) bekannt, dass das Dorf mit seinen Türmen, Mauern und der Brücke dominiert. Es ist auch das Land des Rossese, der schon von Napoleon geschätzt wurde und in der gleichnamigen Kellerei, im Winzerbetrieb Terre Bianche, bei Mandino Cane und in der gemütlichen Schenke von Gajaudo zur Verkostung und zum Kauf angeboten wird.
Eine Spezialität, die man hier ebenso unbedingt probieren sollte, sind die Michette, kleine Brioches aus einfachem Teig, die mit Anis gewürzt und Zucker bestreut sind. Sie sind allein, mit Milch oder zum Rossese zu genießen. Zu erstehen sind hier des weiteren Gegenstände aus Olivenbaumholz, die von den Handwerkern vor den Augen des Besuchers gefertigt werden.
Zu Mittag empfehlen wir einen Halt in der Trattoria "Re", wo aus den folgenden Gerichten zu wählen ist: Hase mit Oliven, gefüllter Kohl, Stockfischsalat mit Kartoffeln, Fidelanza (Maccheroncini mit Wurst, Pilzen, Tomaten und Oliven), Zicke und Bohnen. Als nächste Etappe Ihrer Fahrt schlagen wir Isolabona vor, wo Sie die Reste einer Leinen- und Hanfmanufaktur der Doria aus dem 15. Jh. und ein weiteres Schloss der Familie aus dem 13. Jh. bewundern können, das in strategischer Position zur Kontrolle des Valle Nervia und Merdanza errichtet worden war. Von der Brücke aus stößt man auf den achteckigen Brunnen aus Stein, der aus dem 14. Jh. stammt. Kurz vor der Brücke hingegen befindet sich die "Locanda degli Amici", die unter dem Namen "Da Piombo" (via Roma 2, Tel. 0184 208124, Reservierung erbeten, Montag Ruhetag) bekannt und ein wahres Paradies für Stockfisch-Liebhaber ist. Ende Juli findet im Dorf alljährlich ein Festival der Harfenmusik statt.
Sehenswert ist auch Apricale, ein typischer alter Burgflecken, der vom Schloss "della Lucertola" dominiert wird und voller Ateliers ist, in denen auf Stoff gemalt und Keramik feilgeboten wird. Bekannt sind hier auch die Straßenstücke, die im Sommer von der Theatergruppe Tosse di Genova aufgeführt werden.Zum Abendessen empfiehlt sich das Lokal "alla Lucertola" (via Roma 48, Montag Ruhetag), wo in einfachem Ambiente das Beste auf den Tisch kommt, das die traditionelle Küche mit einigen kreativen Varianten zu offerieren weiß. Nicht zu versäumen sind der Hase auf ligurische Art, der Stockfisch und die Ziege mit Bohnen. Auch bei "La Favorita" (strada S. Pietro reg. Richelmo Pigna) gibt es einige Leckereien: gemischte Vorspeisen, Gnocchi della nonna, Schnecken mit Minze, Hase al Rossese und Pansarole mit Weinchateau.
Castelvittorio hingegen wird als die Terrasse des Val Nervia definiert, da es das Tal beherrscht. Typischer mittelalterlicher Baubestand zeichnet das Dorf aus, dessen Häuser Schieferportale und Relieffiguren aufweisen.
Am 19. März ist die "Sagra del Tartan", einer lokalen Spezialität aus Zucchini, während im September das Fest des süßen Schmalzgebäcks stattfindet. In unmittelbarer Nähe von Castelvittorio liegt Pigna, das tatsächlich die Form eines Pinienzapfens besitzt, da die Steinhäuser hier in Form von konzentrischen Kreisen angeordnet sind. Bekannt ist Pigna für seine Schwefelwasserquellen. Im Sommer ist das Städtchen Schauplatz eines Festivals der Poesie und des Dialekttheaters. Und nach dem Bad in den Thermen erwartet Sie ein köstliches Mahl im Restaurant des Hotels Terme (Ortsteil Madonna Assunta), das für diejenigen richtig ist, die gern Geschmackvolles aus dieser Gegend probieren möchten - es gilt nämlich, in die Tradition des Hinterlandes einzutauchen: Gemüsevorspeise wie gefüllte Zucchiniblüten, dann Kräuteromelett, Stockfisch-Frisceui, Variationen zum Thema Steinpilze, Bohnensuppe mit Pasta, Kräuterlamm und abschließend ein Dessert nach Wahl.
Wieder auf der Hauptstraße gelangen Sie nach Baiardo, einem hoch gelegenen mittelalterlichen Dorf, das in seinem alten Kern die Reste des Druiden und die Ruinen der Kirche von San Nicolò bewahrt, die 1887 von einem Erdbeben zerstört wurde. Es ist hier die Fontana Vecchia zu besichtigen, wo schwefelhaltige Quellen Heilwasser liefern, das zu medizinischen Zwecken eingesetzt wird. Gekauft werden können Öl, Wein, Olivenpaste, getrocknete Tomaten und vor allem Zucchini in Öl bei Jolanda. Bevor Sie nach San Remo zurückkehren, empfiehlt sich ein Halt in Ceriana, wo das italienische Eis zu Hause ist - seine Meister sind auf der ganzen Welt bekannt.